Autokauf und Verkehr in Paraguay
Ob das Auto nun wirklich des Deutschen liebstes Kind ist, darüber läßt sich sicher trefflich streiten. Fest steht aber: Ohne Auto ist es in Paraguay schwierig, seinen Alltag zu bewältigen. Das gilt nicht nur für die weitläufigen Gegenden auf dem Campo, sondern auch für den vergleichsweise dicht besiedelten Großraum Hohenau. Es gibt kaum Stadtbusse und keine Straßenbahnen, die vergleichbar mit westlichen Ländern regelmäßig verkehren, und mit denen man beispielsweise auch seinen Einkauf erledigen kann. In Paraguay haben die meisten ein Auto oder Motorrad. Staus sind außerhalb von Ballungsräumen wie Asunción weitgehend unbekannt. Es gibt keine Innenstädte mit künstlichen Erschwernissen für den Autoverkehr, und man findet vor jedem Geschäft und jeder Behörde direkt einen Parkplatz. Individualverkehr ist Trumpf in Paraguay!

Wie kommt man nun am besten an ein Auto in Paraguay?
Autos zu importieren ist aufgrund des Zolls sehr teuer und dürfte sich nur in Einzelfällen lohnen bzw. bei sehr individuellen Ansprüchen ratsam sein. Bei Interesse gibt es ein Interview von den Paraguay Pionieren mit einem Ehepaar, das im Container auch sein Elektroauto mitgenommen hat.
Die beste Lösung, wenngleich auch die teuerste, ist es, einen Neuwagen zu kaufen.
Es gibt zwar einen Gebrauchtwagenmarkt, doch sind die Preise hier relativ hoch. Der Einstieg beginnt bei ca. 3.000 €, zudem wird gemäß Hörensagen viel an den Verkaufsobjekten manipuliert. Das können heruntergedrehte Kilometerzähler sein, aber auch echte Mängel z. B. am Motor, die zu Verkaufszwecken versteckt werden. In Paraguay gibt es keinen TÜV wie in Deutschland. Das ist für einen selbst als Autofahrer zwar durchaus angenehm. Für Gebrauchtwagenkäufer bedeutet es aber, es gibt keinen Mindeststandard, den das Auto entsprechend seinem Alter voraussichtlich erfüllt. Man sollte sich selbst sehr gut mit Autos auskennen, ggf. eine fachkundige Person hinzuziehen, bei einem vertrauenswürdigen Anbieter kaufen und unbedingt den regulären Kaufprozess einhalten. Dieser Kaufprozess ist übrigens um einiges komplizierter als in Deutschland, ein einfacher privater Kaufvertrag zwischen zwei Parteien reicht nicht aus.
Der Ablauf des Autokaufs ist grob wie folgt:
– Notarieller Kaufvertrag
– Umschreibung des Titels beim registro de automotor
– Unterschrift des Titels beim Notar
– Aushändigung der cédula verde auf den Namen des Käufers
Einen sog. Titel erhält man in Paraguay beim Kauf einer Immobilie und eines Autos. Er ist in etwa vergleichbar mit dem Grundbucheintrag für Immobilien in Deutschland. Mit der cédula verde weist man nach, daß der Titel eines Autos auf einen läuft.
Wenn man nur einen privaten Kaufvertrag abschließt, kann es künftig Probleme beim Eigentumsnachweis oder Wiederverkauf geben. Zudem kann man ohne umgeschriebenen Titel zwar in ganz Paraguay fahren, aber nicht über die Landesgrenzen.
Beim Neukauf eines Autos kann man hinsichtlich Automarken fast aus dem Vollem schöpfen, es gibt teilweise dieselben wie in Europa, z. B. Toyota, Hyundai, VW, BMW. Asiatische Modelle dominieren jedoch. Daneben sind auch Marken gängig, die in Europa gänzlich unbekannt sind, wie z. B. der indische Mahindra. Man bekommt auch einen Volvo oder Mercedes, wenn man danach sucht. Bei der Auswahl der Marke sollte man beachten, in welchem Ausmaß Ersatzteile vorhanden sind. Ggf. muß man kreativ werden und mal beim Schrotthändler nach einem gebrauchten Teil anfragen. Manche Importautos sind aus Ländern mit Linksverkehr wie Japan und werden dann auf den Rechtsverkehr umgebaut. Dennoch sind dann z. B. Scheibenwischer und Blinker auf der „falschen“ Seite, und man muß sich wohl ganz schön umgewöhnen. Die Kaufpreise für einen Neuwagen sind vergleichbar mit denen in Europa, bezahlt wird in der Regel per Überweisung in USD.
Naheliegend ist es, sich für die erste Zeit einen Mietwagen zu nehmen. Dabei sollte man sich jedoch der nicht unerheblichen Kosten bewußt sein. Wenn der Tagespreis bei 30 Euro bis 50 Euro liegt, dann ergibt das über 30 Tage auch mit Monatsrabatt eine stattliche Summe. Jeder sollte also für seine individuelle Situation abwägen, wie lange er ein Mietauto benutzen möchte, und wie rasch er ein Auto kaufen will und kann. In Hohenau hat übrigens keine Autovermietung eine eigene Niederlassung, die nächstgelegenen befinden sich in Encarnación.
Die Straßen in Paraguay sind teils sehr holprig, mit Schlaglöchern oder Erdstraßen. Tiefergelegte Autos dürften hier bei normaler Benutzung im Alltag nicht lange Freude bereiten. Viele haben hier Pick-ups oder Geländewagen. Wer viel Erdstraße fährt, sollte auf Allradantrieb achten. Grundsätzlich ist die Abnutzung bzw. der Verschleiß der Autos hier pro Lebensjahr deutlich höher als in Deutschland.
Zusammenfassung: Sofern dies finanziell realisierbar ist, raten wir zum Kauf eines Neuwagens, idealerweise eines geländefähigen Modells. Die Kaufpreise sind vergleichbar mit denen in Europa, es gibt aber viele günstige asiatische Modelle. Einen Gebrauchtwagen sollte man nur kaufen, wenn man die Qualität selbst prüfen kann und der Verkäufer vertrauenswürdig ist. Ein Mietwagen ist nur für kurze Dauer zu empfehlen.
Es gibt in Paraguay grundsätzlich drei Straßentypen:
Asphaltstraße
Hauptsächlich zu finden auf Rutas (Fernstraßen) und in den Städten, vereinzelt auch überland. Im Großraum Hohenau sind die Asphaltstraßen meist in sehr gutem Zustand und ohne große Schlaglöcher.


Kopfsteinpflasterstraße
Das paraguayische empedrado ist anders als das Kopfsteinpflaster, das in deutschen Innenstädten den Boden ziert. Es ist rot, in groben Stücken und ergibt eine zumeist unebene Straße. Hier im Großraum Hohenau sind die Seitenstraßen der Asphaltstraßen zumeist empedrados. Grundsätzlich sind sie in gutem Zustand, doch gerade an Kreuzungen, wo eine Straße in die andere mündet, warten teils unangenehme Unebenheiten und Schlaglöcher. Tranquilo ist da die Devise, auch beim Autofahren.

Erdstraße
Überland oder auch mal zwischen zwei empedrados sind die restlichen Straßen dann Erdstraßen. Bei Immobilienanzeigen wird ggf. angegeben, wieviele Meter Erdstraße ein Objekt von der nächsten Nicht-Erdstraße entfernt ist. Wie wir gelernt haben, hat das durchaus seine Gründe, denn je nachdem können die Erdstraßen sehr hügelig und unbequem zu befahren sein. Im Großraum Hohenau sind innerstädtisch die meisten Straßen keine Erdstraßen, und wenn dann relativ problemlos befahrbar. Außerstädtisch sollte das Auto wie erwähnt eine gewisse Geländegängigkeit aufweisen, wenn man Erdstraßen befahren möchte.


In den Stadtgebieten der Colonias Unidas ist die Höchstgeschwindigkeit in der Regel 40 km/h. Es gibt hier aber eine Besonderheit gegenüber den europäischen Straßen: Bremsschwellen, also sogenannte liegende Polizisten, die gefühlt an jeder Ecke den Verkehr auf Schrittempo herunterbremsen. Die Bandbreite ist dabei groß: Von leichten Erhebungen über große Rollen ist alles dabei. Auch in die andere Richtung funktioniert das Prinzip, und so gibt es neben Bremsschwellen auch Bremskuhlen jeglicher Tiefe. Wenn es gut läuft, werden sie rechtzeitig per Schild angekündigt. Ansonsten heißt es gerade in der Dämmerung oder nachts auf unbekannten Strecken gut die Augen offen halten, denn ein solches Bremshindernis zu überfahren, kann äußerst unangenehm für die Bandscheiben und Stroßdämpfer sein. (eddy2606)


