Katze kastrieren in Paraguay

Unsere Erfahrungen mit der Kastration zweier Weibchen in Hohenau

Als unsere beiden Katzenmädchen langsam das flauschige Gatita-Alter hinter sich ließen, begannen wir, uns Gedanken über ihre Kastration zu machen. Wir hätten es unseren Süßen von Herzen gegönnt, einmal im Leben Mama werden zu dürfen. Gleichzeitig sehen wir Tag für Tag, wieviele Katzen auch hier in Paraguay ein Zuhause suchen. Nicht alle finden eines, und wenn, dürfen sie es nicht immer behalten. Schweren Herzens entschieden wir uns also dazu, sie noch vor der ersten Rolligkeit unfruchtbar zu machen.

Rosi, als sie selbst noch ein Kätzchen war

Wir haben uns bei den drei uns bekannten Tierarztpraxen in unserer Nähe erkundigt: El Abasto in Obligado, Dr. Dutra und Sadovet in Hohenau. Von allen drei bekamen wir die Rückmeldung, dass sie Katzen ab sechs Monaten kastrieren. Außerdem wollten wir von allen drei noch wissen, ob sie auch eine Sterilisation statt einer Kastration anbieten. Bei einer Sterilisation werden lediglich die Eileiter durchtrennt. Sterilisationen werden nicht angeboten, bei allen Praxen kann man jedoch wählen, ob nur die Eierstöcke entfernt werden sollen, oder (was üblich ist) auch die Gebärmutter. Wir wollten den Eingriff für unsere Mädchen so klein wie möglich halten und haben uns daher dafür entschieden, nur die Eierstöcke entfernen zu lassen.

Da wir von Anfang an mit unseren Tieren bei der Agroveterinaria El Abasto waren, haben wir auch die beiden Kastrationen dort durchführen lassen. Beraten hat uns in der Praxis unter anderem ein Tierarzt, der auch fließend Deutsch spricht. Den Termin konnten wir kurzfristig für den übernächsten Tag vereinbaren. El Abasto bietet auch an, dass die Besitzer ihre Tiere bereits am Vorabend des Eingriffs kurz vor Geschäftsschluß um 18 Uhr bringen.

Operationen werden bei El Abasto in der Regel frühmorgens zu Geschäftsbeginn durchgeführt, also zwischen 7 und 8 Uhr. Die Katze soll 12 Stunden vorher nüchtern gehalten werden, das heißt nichts essen und nur Wasser trinken. Wir haben unseren sichtlich erstaunten Freigängermädchen also am Vorabend ein Lager mit Wasser, Toilette und Kuscheldecke in einem separaten Raum eingerichtet und sie leicht bangen Herzens dort eingesperrt. Tröstlich war uns der Gedanke, daß sie die nächsten Tage gemeinsam durchstehen würden.

Am Operationstag ging dann alles ganz schnell, und schon waren Rosi und Tigi in den hinteren Räumen der Agrovet verschwunden. Wir konnten sie 24 Stunden wieder abholen. Schon am Nachmittag aber erkundigten wir uns per Whatsapp bei einer Mitarbeiterin nach dem aktuellen Stand und bekamen prompt die beruhigende Mitteilung, dass alles gut verlaufen war und die Katzen auch schon aufgewacht waren.

Als wir unsere Mädels am nächsten Morgen abholten, wirkten die Narkose und die Folgemedikamente noch sichtlich nach. Sie waren schwach auf den Beinen und schliefen viel. So beschwerten sie sich auch gar nicht darüber, dass sie für den ganzen Tag ins Schlafzimmer verfrachtet wurden, um sich dort von unseren anderen Katzen getrennt erholen zu können. Wir bekamen von der Praxis ein antibiotisches Spray mit, das wir mehrmals täglich für die nächsten fünf Tage aufbringen sollten. Sein süßlicher Geruch hing bald im ganzen Zimmer. Mit den folgenden Tagen erholten Rosi und Tigi sich immer mehr und durften schließlich auch wieder zu ihren Katzenfreunden.

15 Tage später sollten wir vereinbarungsgemäß zum Fädenziehen in die Praxis kommen. Und wie es manchmal im Leben so kommt – am Abend des 14. Tages, quasi kurz vor der Ziellinie, der Schock: Tigis Naht war aufgegangen. Wir riefen trotz der späten Stunde panisch die Tierärztin an und schickten ein Foto von Tigis Bauch. Sie beruhigte uns, daß bis zum nächsten Morgen nichts passieren würde und wir mit dem antibiotischen Spray desinfizieren sollten.

Selbstredend verbrachte Tigi diese Nacht bei uns im Schlafzimmer, und so manches Familienmitglied prüfte klopfenden Herzens mehrere Male mit der Taschenlampe, ob der Bauch noch zu und die Katze am Leben wäre.

Mehr oder weniger mit dem ersten Hahnenschrei waren wir auch schon auf dem Weg in die Praxis. Rosis Naht war bestens verheilt, sie bekam die Fäden gezogen und wurde fünf Minuten später in die Freiheit entlassen. Tigi jedoch hatte sich wohl die Naht aufgebissen und musste erneut genäht werden. Wir ließen sie also bis zum Nachmittag dort. Beim Abholen war sie benommen, aber deutlich weniger schwach als nach der Operation zwei Wochen zuvor.

Um Tigi daran zu hindern, daß sie sich erneut die Naht aufbeißt, lieh uns die Praxis kostenfrei eine Halskrause. Die trug Tigi zunächst, bis ein Wärmebody sie ablöste, den unsere Nachbarin, eine Schneiderin mit viel Tierliebe und gutem Deutsch, ihr auf den Leib schneiderte.

Tigi sichtlich unglücklich mit ihrer Halskrause nach dem zweiten Nähen

Die Wunde heilte diesmal deutlich schneller ab als nach der eigentlichen Operation. Erstaunlicherweise knabberte unsere Tigerin auch überhaupt nicht mehr an den Fäden, als wüsste sie, was ihr sonst dräute. Am Vorabend des 15. Tages war diesmal alles in Ordnung, und so fuhren wir frühmorgens mal wieder zum Fädenziehen.

Tigis Fäden vom zweiten Nähen am Vorabend des 15. Tages

Nun dürfen die beiden Schwestern ein sorgenfreies Leben genießen. (eddy2606)

Rosi genießt nach den Strapazen den schattigen Bananenhain

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