Schulen

Für nach Paraguay ausgewanderte Familien ist die Schule eines der wichtigsten Kriterien, nach denen sie die neue Heimatstadt auswählen. Viele fragen sich: Finde ich dort eine gute Schule für mein Kind, die auch nicht zu weit entfernt von meinem neuen Haus ist?

Eingangsbereich Amazing Grace Obligado am ersten Schultag

Zunächst ein paar grundlegende Fakten zum paraguayischen Schulsystem.

Es herrscht formal hierzulande Schulpflicht, wie man sie auch aus Deutschland kennt. Ist ein Kind erstmal an einer Schule angemeldet, ist es im System integriert. Gleichwohl ist es deutlich einfacher als in Deutschland, das Kind von der Schule ab- und an einer anderen Schule anzumelden. Eine Sprengelpflicht für Grundschüler gibt es nicht, vielmehr herrscht freie Wahl zwischen allen verfügbaren öffentlichen und privaten Schulen. Es soll auch unter Voraussetzungen möglich sein, sein Kind selbst zu unterrichten, es per Online-Schule unterrichten zu lassen oder eine eigene Schule zu gründen; hierzu haben wir aber keine eigene Erfahrung. Die Schulpflicht in Paraguay umfasst neun Jahre. Die Grundschule, la escuela básica, umfasst dabei sechs Jahre. Im Anschluss daran kann für bis zu weitere sechs Jahre ein colégio besucht werden, welche man mit dem Abitur abschließen kann.

Man hat die Wahl zwischen einer kostenlosen öffentlichen Schule oder einer kostenpflichtigen Privatschule.

Entscheidungskriterien für eine Schule in Paraguay

Wir haben uns für die private Grundschule Amazing Grace in Obligado entschieden. Ein wichtiger Faktor war dabei der relativ kurze Schulweg. Da der Unterricht in Paraguay um 7 Uhr morgens beginnt, ist das nicht zu vernachlässigen für das Seelenheil aller Familienmitglieder. Gleichwohl waren für uns zwei andere Punkte die eigentlich entscheidenden:

  1. Ein solides Unterrichtsniveau und ein guter Ruf:
    Die Amazing Grace ist eine junge Schule mit einer sehr engagierten Direktorin und kompetenter Lehrerschaft. Als unseres Wissens einzige Grundschule in den Vereinigten Kolonien gibt es hier das Schulfach Englisch, und das schon ab der Vorschule. Wir haben von verschiedenen Menschen positive Einschätzungen zu dieser Schule bekommen: von gebürtigen Obligadoern, die aus eigener Kindheit und Elternzeit die hiesige Schullandschaft kennen, sowie von Mitgliedern der lokalen Verwaltung.

    Über einen Bekannten bekamen wir den Kontakt der Direktorin, die uns zu einem Kennenlerngespräch bei uns zuhause besuchte – allein das ist schon undenkbar in dem Deutschland, das wir hinter uns gelassen haben. In bestem Englisch schilderte sie uns die Schule und lud uns herzlich ein, jederzeit selbst mit unserem Kind vorbeizukommen und uns ein eigenes Bild zu machen. Als wir das dann (ohne uns anzukündigen) taten, nahm sie sich sofort Zeit für uns und führte uns durch alle Klassen. Und damit kommen wir zu unserem zweiten Punkt:
  2. Dass unser Kind sich dort wohlfühlt und gerne hingeht:
    Schon bei unserem ersten Spontanbesuch in der Amazing Grace spürten wir eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Das hat sich im Laufe der vergangenen Wochen beim tatsächlichen Schulbesuch durch unser Kind bestätigt. Die Lehrer haben einen freundlichen, liebevollen Umgang mit den Kindern. Die Klassen sind klein und übersichtlich. Die Direktorin scheint die meisten Kinder persönlich und mit Namen zu kennen.

    Ein paar Wochen nach Schuleintritt führte sie mit unserem Kind ein kurzes persönliches Gespräch, ob es ihm gefällt, und ob es schon Freunde gefunden hat. Wenn ich an die überfüllten Sprengelschulen in Deutschland denke, kann ich mir ein solches Gespräch dort beim besten Willen nicht vorstellen. Positiv fällt uns auch der Umgang der Kinder untereinander auf: Unser Kind wurde von der ersten Sekunde an herzlichst in die Klassengemeinschaft aufgenommen. Die Kinder sind lebhaft und toben auch gerne, aber eines ist bislang anders als wir es in Deutschland erleben mussten:

Wie läuft der Schulalltag in Paraguay?

Spielplatz auf dem Pausenhof Amazing Grace Obligado

Es scheint weniger aggressive Auseinandersetzungen zwischen den Kindern zu geben. Oder anders gesagt: Weniger Kinder, die sich ausfallend negativ verhalten und so die gesamte Gruppe destabilisieren. Während wir in Deutschland durchaus Kinder beobachteten, die im Kindergarten oder Kinderturnen andere Kinder gezielt angriffen, verfolgten oder auf sie mit spitzen Gegenständen losgingen, haben wir solch einen Vorfall bislang weder selbst mit unserem Kind hier erlebt noch etwas in dieser Richtung gehört.

Inwieweit das an der Schule oder generell an der Mentalität und der Erziehung der paraguayischen Kinder liegt, können wir an dieser Stelle freilich nicht unterscheiden. Wir können nur feststellen: Das Schulleben an der Amazing Grace verläuft bemerkenswert angenehm und reibungslos für unser Kind. Im großzügigen Schulgarten gibt es auch einige Spielgeräte wie Schaukeln, die die Kinder in den Tobepausen nutzen können. Auf dem Gang stehen Wasserspender, an denen die Kinder sich ihre Flaschen kostenlos auffüllen können – unverzichtbar hier in den Subtropen!

Wie fast überall in Paraguay wird die Kommunikation mit der Schule hauptsächlich über Whatsapp geführt. Sowohl die Direktorin als auch die Sekretärin sind darüber stets ansprechbar und helfen rasch und kompetent weiter.

Die (zumindest kleineren) Kinder werden hier, wie wohl überall in Paraguay, morgens von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht und mittags mit dem Auto wieder abgeholt. Kampfbegriffe wie Elterntaxi oder SUV-Mami sind hier unbekannt, es versteht sich von selbst, dass die Eltern sich persönlich darum kümmern, dass ihr Kind wohlbehalten in die Schule und wieder zurück kommt.

Zumindest in der Altersstufe unseres Kindes stehen die Kinder an der Amazing Grace unter zusätzlichem Schutz: Die Klassenlehrer warten mittags mit den Kindern an der Klassenzimmertür, bis sie gemeinsam das Auto der jeweiligen Eltern entdecken. Erst dann läuft das Kind los und verlässt das Schulgelände. Die Lehrer warten selbstverständlich, bis alle betreffenden Kinder abgeholt sind, auch wenn das ihre Arbeitszeit überschreiten würde. So wird verhindert, dass etwa ein Erstklässler nach der Schule den Schulbus verpasst und weinend und ohne Handy und ohne Lehrer weit und breit an der Bushaltestelle zurückbleibt, wie uns letztens aus einer deutschen Sprengelschule berichtet wurde.

Wie in Paraguay üblich, tragen die Kinder auch an der Amazing Grace Schuluniformen. Diese haben jedoch nichts zu tun mit jenen, die man etwa von britischen Schulen vor Augen hat: Statt weißer Strümpfe oder Krawatte bestehen sie aus einem T-Shirt und wahlweise einer langen oder kurzen Hose. Unser Kind trägt sie gerne und stolz.

Da unser Kind derzeit noch dabei ist, Castellano zu lernen, ist es für uns ein gutes Gefühl, dass immer ein Lehrer oder ein zweisprachiger Schüler da ist, der im Notfall unserem Kind in seiner Muttersprache weiterhelfen und uns benachrichtigen kann.

Es handelt sich um eine christliche Privatschule. Kosten pro Monat: ca. 30,- €.

Die Amazing Grace Obligado hat eine sehr ausführliche Homepage und einen stets aktuell gehaltenen Facebook-Auftritt:

Website: https://www.agschool.edu.py/
Facebook: https://m.facebook.com/amazingraceschool/
Standort: https://maps.app.goo.gl/9iZfrPrjCcLpJHKp7
Telefonnummer: +595 992 221506

Gibt es weitere gute Schulen in Hohenau, Obligado und Bella Vista?

Es gibt in den Colonias Unidas viele weitere Schulen, von denen einige unter deutschen Auswanderern besonders beliebt zu sein scheinen. Wir haben mit diesen Schulen keine eigenen Erfahrungen und nennen daher als erste Übersicht nur eine Auswahl davon:

Colegio Adventista de Hohenau:

https://m.facebook.com/colegioadventistahohenau/

Colegio Privado del Internado Evangélico y Escuela Básica Evangélica:

https://m.facebook.com/profile.php?id=100057188212051

(eddy2606)