Warum Hohenau?
Die „Hohe Au“ oberhalb der Ufer des Grenzflusses Paraná wurde im Jahr 1900 von Deutschbrasilianern erschlossen. Eine Einheimische wußte uns aus Erzählungen ihrer Familie zu berichten, wie ihre Urahnen einst mit Booten am Flußufer landeten und sich mit der Machete durch das Unterholz kämpften, um die ersten Siedlungen von Hohenau zu errichten.
Heute liegt Hohenau so wie seine Nachbarstädte Obligado und Bella Vista im Departamento Itapúa. Die drei Städte haben sich zu den Vereinigten Kolonien (Colonias Unidas) zusammengeschlossen. Hohenau, Obligado und Bella Vista haben gemeinsam etwa 41.000 Einwohner, wobei Obligado mit 17.000 Einwohnern am größten ist. Dennoch wird „Hohenau“ in der Alltagssprache wie ein Oberbegriff für den gesamten Großraum verwendet. Besonders Auswanderer nach Paraguay nennen die Gegend in der Regel Hohenau und nicht Vereinte Kolonien.
Die deutschen Wurzeln sind in Hohenau allgegenwärtig. Man findet Alemán in vielen Namen wie Sanatorio Alemán (Deutsches Krankenhaus), Jardin Alemán (Deutscher Kindergarten) oder Club Alemán (Deutscher Sport- und Kulturverein). Seit der Regensburger Landsknecht und Entdecker Ulrich Schmidl im 16. Jahrhundert Paraguay und Argentinien bereiste, gab es mehrere Auswanderungswellen Deutscher nach Paraguay. Heute hat gefühlt jeder Dritte in Hohenau deutsche Wurzeln. Die meisten davon begreifen sich unserer Wahrnehmung nach als Paraguayer und als Deutsche. Sie halten die deutsche Kultur und Tradition hoch, erziehen ihre Kinder zweisprachig und freuen sich, wenn sie einem Deutschen begegnen und Deutsch sprechen können.
Einige haben auch schon Deutschland besucht bzw. schicken ihre Kinder zum Studieren hin. Im Herbst veranstalten viele Vereine und Restaurants ein Oktoberfest mit deutschen Spezialitäten. In Hohenau fand das Oktoberfest übrigens auch in den Jahren 2020 und 2021 statt. In Hohenau gibt es wie in anderen deutschbesiedelten Gegenden Paraguays deutsche Bäcker und deutsche Metzger, bei denen man sich nach Gusto eine Brotzeit aus Würstl mit Sauerkraut und Brezen zusammenstellen kann.
Wir fühlen uns hier in Hohenau also keineswegs als Exoten. Weder fallen wir optisch auf, da es zuwanderungsbedingt auch viele hellhäutige Paraguayer in Hohenau gibt. Noch fühlen wir uns fremd, denn wir finden überall ein Stück Heimat. Zudem muss man sagen, daß die Paraguayer sehr offen und herzlich sind. Sie begegnen uns überall freundlich, hilfsbereit und interessiert. Auch die Kinder untereinander sind aufgeschlossen und schließen rasch Freundschaft mit den Neuen. Zuckersüß finden wir es, daß die deutschparaguayischen Kinder (also die Kinder deutscher Auswanderer) Eltern anderer Kinder wie uns mit „Tante“ und „Onkel“ ansprechen.
Neben den Deutschparaguayern gibt es auch eine größere Zahl von Deutschbrasillianern in Hohenau. Es ist uns fast unmöglich, an einem Tag nicht mit jemandem Deutsch zu sprechen. Da müssen wir ganz schön aufpassen, daß wir darüber nicht das Spanischlernen vernachlässigen (wobei man ergänzen muß, daß in Paraguay die Form Castellano gesprochen wird).
Was ist es nun, das uns und so vielen anderen Deutschen bzw. Deutschstämmigen so gut gefällt in Hohenau? Wir persönlich schätzen eine ganze Reihe hier.
- Zum einen ist die Gesundheitsversorgung hier auf einem hohen Niveau. Es gibt zwei große Krankenhäuser in Obligado und Hohenau, die eine umfassende Versorgung sicherstellen. Daneben gibt es einige kleinere Ambulanzen und Praxishäuser. Dies war für uns als Eltern kleiner Kinder besonders wichtig bei der Auswahl unserer künftigen Heimat.
- Weiters legen wir natürlich auch Wert darauf, daß unsere Kinder eine möglichst gute Schulbildung erfahren. In den Vereinten Kolonien stehen den Schülern mehrere renommierte Schulen zur Auswahl.
- Haupteinnahmequellen der Vereinten Kolonien sind Landwirtschaft und Tourismus, woraus sich der hohe Lebensstandard hier speist. Hohenau hat nichts mit Dritter Welt zu tun. Der Großteil der Siedlungen in den Vereinten Kolonien besteht aus gepflegten Wohnvierteln mit schönen Gärten an sauberen Straßen bzw. belebten Geschäftszeilen. Es gibt Schwimmbäder und Spielplätze, schöne Strände und Parks zum Flanieren, gute Restaurants und Hotels. In letzteren kann man durchaus auch mal seine schicken Kleider ausführen, während das Leben als Eltern in Paraguay ja ansonsten überwiegend draußen in zweckmäßiger Kleidung stattfindet.
- Das ganze Departemento Itapúa hat eine herausragend gute Infrastruktur und erinnert durch seine Sauberkeit und Ordnung an Europa. Die Straßen sind verhältnismäßig gut in Schuß, und über die Ruta kommt man bequem in die Hauptstadt von Itapúa, Encarnación, oder auch richtung Norden nach Villarica und Asunción. Die öffentlichen Anlagen sind zwar nicht immer auf dem neuesten Stand, aber sauber und gepflegt. Der Müll wird bei uns in der Straße drei Mal die Woche abgeholt, was ehemaligen BRD-Bewohnern ein ganz neues Gefühl von Freiheit schenkt. Weiterhin gibt es in den Vereinten Kolonien auch Glasfaser-Internet.
- Wie eigentlich überall in Paraguay ist auch in Itapúa die Natur wunderschön. Vom Fenster unserer Ferienwohnung im Edificio Becker sah die sanft geschwungene Landschaft aus wie der Bayerische Wald, wenn man großzügig die Palmen außer Acht ließ. Grüne Waldhügel wechseln sich ab mit Feldern, dazwischen liegen kleine Dörfer. Hauptattraktion ist natürlich der Paraná mit seinen flachen Stränden und vielen Bademöglichkeiten, sei es prominent in Bella Vista oder Encarnación, oder an einem ruhigen Plätzchen, das nicht jeder kennt.
- Natürlich ist es auch von Vorteil, wenn man an einem neuen Ort nicht der einzige seiner Art ist. Wir haben den Eindruck, die deutsche Einwanderung nach Hohenau ist überwiegend organisch verlaufen, und Paraguayer, Deutschparaguayer und Deutsche leben harmonisch in Gemeinschaft. Ethnische Konflikte wie in unserer alten Heimat sind uns hier in Hohenau nicht bekannt. Dabei hilft es natürlich auch, daß Paraguay ein christliches Land ist, und die Einwanderer ebenfalls zumeist christlich geprägt. Gleichzeitig ist es gerade am Anfang, wenn man noch nicht gut Spanisch spricht, angenehm, wenn der Nachbar ein bißchen Deutsch kann oder man in der Ferreteria den kaputten Gartenschlauch auf Deutsch erklären kann.
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